All about… FALZGUMMI

Die Stimmen wurden laut. Die Fragen häufen sich. Ich versuche nun etwas Licht in´s Dunkel zu bringen.

Was ist Falzgummi und was kann Falzgummi?

Fangen wir mal grundlegend an…


Was ist Falzgummi?

Wie der Name schon sagt – es ist ein Gummi mit Falz in der Mitte, welches das Arbeiten erleichtert. In der Denkweise wie ein Schrägband, zum Einfassen von Kleidungsstücken. Man umklappt die Stoffkante und näht in einem Zug, beide Bandkanten an und umschließt so die Stoffkante.

Das praktische an Falzgummi ist, dass man es verwenden kann wie ein Bündchen. Es ist einerseits nicht so auftragend, andererseits kann man mit Kontrast und Motiven einen tollen Hingucker zaubern. Es wird zwar nicht in der gleichen Weise angenäht, wie Bündchen jedoch ist der Sinn und Zweck derselbe.

Seitdem Falzgummi in mein Leben zog, verwende ich Bündchen nur noch an Hosen oder Jacken.

Falzgummi ist geläufig unter vielen Namen:

  • Falzgummi oder Falzband
  • elastisches Schrägband (eigentlich falsch, da es kein Schrägband ist)
  • FOE (Abkz. für fold over elastic)
  • (elastisches) Einfassband
  • Stretchband
  • elastic bias (oder auch binding) tape… für diejenigen die englischen Input suchen

Falzgummi besteht aus 100% Polyester. Bänder mit Glitzer sind mit Metallfasern durchzogen.

Man muss es generell nicht vorwaschen. Mir ist noch kein Band untergekommen das abfärbt und Einlaufen tut es schon gar nicht.


Was für Arten gibt es?

Falzgummi gibt es 15, 18, 20, 25mm – bzw sind das die geläufigen. Wenn das Band zb 15mm hat, sind im angenähten Zustand 7mm sichtbar. Mindestens einen Millimeter könnt ihr immer abziehen, da die Stoffhöhe auch etwas wegnimmt. Bei 20mm sind zb dann etwa 9,5mm sichtbar oder weniger.

Das Band kommt wunderbar facettenreich daher. Wir haben in unserem Sortiment:

  • Standart – Uni
  • Uni matt
  • mit Spitzenkante am Falz
  • mit Motiven
  • mit Glitzer
  • mit Jacquard (bedeutet spezielles Webmuster)

 


Die Standart uni Falzbänder waren wohl als erstes auf dem Markt. Manche mögen den Schimmer dieser Bänder nicht. Ihr könnt hier getrost auf links nähen, also das Band „falschrum“ annähen. Dann ist es matt und es macht keinen Unterschied ob links oder auf rechts genäht.

Das Falzgummi mit Spitze ist das Einzige, welches schon vorgefaltet in´s Haus kommt. Hier sind am Falz leichte Wellen (Spitze) und auf der Vorderseite des Bandes sind kleine schimmernde Erhebungen.

Das Falzgummi mit Glitzer hat verschiedene Erscheinungsbilder. Manche sind erhabener, andere eben nicht. Ob es kratzt muss jeder für sich selber entscheiden. Meine Tochter Nummer eins, kann es nicht auf der Haut tragen – sie stört aber schon ungemein ein Wäschezettel. Tochter Nummer zwei interessiert das gar nicht. Mir selber ist es an empfindlicher Haut unangenehm. Beispiel: Ich habe es an einem Top angenäht. Am Halsausschnitt ist es wunderbar. An den Armöffnungen reibt es, steigend mit der Tragedauer, zu sehr am Unterarm. Aber auch ich bin eine Person, die nur die leichteste Reibung immer an der selben Stelle einfach auf den Tod nicht ausstehen kann. Denke für andere ist das kein Problem.
Das Falzgummi mit Lurex ansich ist dennoch einfach ein Hingucker der angenäht werden muss. WO genau kann dann jeder selber entscheiden. (Gerne versende ich auch kostenfrei kleine Stücke, damit ihr das selber in der Hand haben könnt)

Das Falzgummi Jacquard ist das neueste in der Familie. Das Gummi ist in einer neuen Art gewebt und hat somit ein leicht fühlbares Muster bekommen. Ich liebe es! Zudem ist das Band generell sehr weich und eignet sich einfach für alles.


Kommen wir zu den Motiven…

Wie kommen die denn darauf? Es gibt verschiedene Verfahren. Wer aufgepasst hat, dem ist vielleicht aufgefallen, dass wir EIN Falzband NICHT anbieten. Nämlich mit Folie. Ich bin stolz darauf, mit Gewissheit sagen zu können: ALLES was ihr im Shop findet, könnt ihr getrost waschen. Kein extra Schischi notwendig und kein abfärben. Ich teste jedes unbekannte, neue Produkt selber vor. Vorzugsweise bei 60 Grad (wenn dann gleich richtig) und mit Trockner im Anschluss.

Das Band mit Folie ist wirklich super schön! Aber es überlebt keine 30 Grad. Was will man dann damit? Ich weiß es nicht… Es ist so schade, sich Mühe bei einem Kleidungsstück zu geben und dann sieht es nach einer sanften Wäsche einfach für die Tonne aus.

Hier ein Foto mit div. Bändern mit Folie, die bei 30 Grad gewaschen wurden. Jeweils oben – ungewaschen & unten – einmal gewaschen.

Falzgummi mit Folie

Ich habe das Band „Test-gekauft“ und im Anschluss ca 100 Haarbänder gemacht (2 Mädels im Haus und den Kindergarten beglückt) Als Indianerhaaband eignet es sich super. Aber auch hier…mit der Zeit, durch die Dehnung, löst es sich auch ohne Waschen ab.

Ihr könnt es Euch ganz simpel vorstellen: als würdet ihr Folie auf ein Bündchen machen (macht logischerweise niemand). Das KANN einfach nicht halten. Und zu alledem ist es fast schon wasserlöslich. Außer für Dekoration (Puppenkleidung?) empfehle ich es ganz und gar nicht.

Verfahren zwei – ist der Öl-Druck. Farbe auf Ölbasis wird aufgetragen. Banal ausgedrückt: als würde man Farbe auf ein Gummi / Bündchen streichen. Hört sich erstmal bescheiden an… aber es hält. Bei kleineren Muster, wie Punkte, sieht man bei Dehnung kaum einen Unterschied, als zum ungedehnten Zustand. Bei Zacken zB kann man evtl beobachten dass die Farbe „zerissen“ wird, diese ist aber danach an derselben Stelle wie vorher. Bänder mit diesem Verfahren eignen sich für sämtliche Projekte. Was theoretisch nicht gut ist, wenn das Band dauerhaft auf Zug ist. Aber mir fällt kein Projekt ein, bei dem dies der Fall wäre…?

Verfahren drei – der Heißtransfer. Hier wird Farbe durch Hitze auf das Gummi übertragen. Bei Dehnung ist kein Riss im Motiv sichtbar, die Farbe hält alles aus. Nichts zu bemängeln 😉 Auch bei 60 Grad mal waschbar. Nur dass ich als Verkäufer bisher keine finde, die breiter als 15mm sind. Ganz wenig (und bisher eher un-schick) sind 20mm breit. Aber warten wir ab, was die Zukunft bringt. alle paar Monate kommt Neues hinzu.

Zur Motivwahl möchte ich noch etwas anmerken. Ich sehe viele Falzgummis im Netz, mit netten Motiven, die aber für unseren Gebrauch unlogisch angeordnet sind. Wir Europäer haben das Falzgummi etwas zweckentfremdet. Das Band ist NICHT zum Einfassen erfunden worden. Es ist als Haarband gedacht. Weil wir uns nun wie die Bekloppten darauf werfen, kommen immer mehr neue Arten hinzu. Der Grundgedanke war aber wirklich ein anderer. Deswegen gibt es Bänder mit Motiven, die gefaltet zerstört werden. Sie sind wirklich schick…aber angenäht erkennt man dann zB keinen Anker mehr oder das große Herz oder Pfeil. Ich vergucke mich auch andauern bei meiner Recherche in Bänder aber muss die leider verwerfen. Es bringt mir und euch einfach nichts, wenn ein Anker schön zu sehen ist, der angenäht dann „zebrochen“ ist und nur halb zu sehen.


Für was kann ich Falzgummi nutzen?

…für eine Menge!

  • Zopfgummis
  • Haarbänder
  • Nahtband
  • Tascheneinfassung
  • Träger
  • Öffnungen einfassen (Arm, Bein, Hals)

Für „nicht-Kleidungsstücke“ wie etwa Kissen und Co. wird es eher nicht verwendet. Wozu auch? Die Grundeigenschaft, die Dehnfähigkeit, wird hier nicht benötigt. Kann man machen, muss man aber nicht.


Vorab: Hier wird eine Nadel benutzt die auf „Stretch“ ausgelegt ist und mit Kunstfaser umgehen kann. Also „Super Stretch“. Als Garn – Polyesternähgarn. Eher kein Stickgarn, kein Baumwollgarn, kein Jeansgarn und kein Metallicgarn. Alles KANN man verwenden, aber nicht für Stellen, die stärker gedehnt werden müssen. Das wird tendenziell reißen. Ich habe selber viel mit Metallicgarn genäht. Ist sehr hübsch, kann gut sein, ist aber wirklich nicht für alle Stellen geeignet.

Welcher Stich wird verwendet?

Ansich ein elastischer. Wieso ich „ansich“ schreibe? Weil ich privat den normalen Geradstich verwende.

Entgegen vieler Meinungen ist der dreifache Geradstich kein üblicher elastischer Stich. Dieser Stich ist belastbar und zum Teil dehnbar aber er ist nicht für dehnbare Projekte gedacht, sondern für stark belastete Stellen. Wenn ihr Falzgummi mit diesem Stich annäht wird das eher die Dehnbarkeit rausnehmen. Reißen wird nichts…aber ob ihr am Ende in den Schlüppi passt, ist eine andere Frage. Den dreifachen Geradstich würde ich nur für Stellen nutzen, die nicht stark gedehnt werden müssen. Vielleicht an einem Ausschnitt (Frauenoberteil) aber nicht an Unterwäsche.

Manche Maschinen besitzen den sog. „fake-Coverlockstich“. Den kann  man gut verwenden, finde ich selber aber nicht so schick.

Der dreifach-geteilten Zick-Zack-Stich ist am Besten und genau für soetwas gedacht. Leider finde ich Zick-Zack im Gummi selber nicht so toll. Bitte beachten: es gibt einen „dreifachen Zick-Zack-Stick“ – der näht quasi einen Zick-Zack nur dreimal übereinander und den „dreifach-geteilten-Zick-Zack Stich“ – hier besteht ein Zacken aus 3 Stichen.

Der normale Zick-Zack-Stich ist auch gut verwendbar. Jedoch müsst ihr hier darauf achten den Abstand nicht zu klein und nicht zu groß zu halten. Ansonsten hält dieser auch viel Dehnung aus.

Ich selber sollte mich schämen – ich nehme den normalen Geradstich. Auch hier ist darauf zu achten, den richtigen Abstand zu wählen. Umso kleiner, desto mehr Spielraum hat euer Gummi. Zu klein sieht aber irgendwie affig aus… Ich nehme hier 2,5. Bei zu langen Stichen, reißt das Garn bei der ersten Anprobe.
Bei allem, außer Unterwäsche, nehme ich den normalen Geradstich. Der Stich hält, gut gewählt, Dehnung aus. Bei Kleidung für ganz kleine Kinder, bei denen man evtl. noch sehr stark die Öffnung dehnen muss, würde ich ihn auch nicht verwenden.

Also nutzt ihr bestenfalls (je nach Projekt) den dreifachen geteilten Zick-Zack-Stich oder einen gut gewählten Geradstich oder normalen Zick-Zack-Stich.

Wenn ihr eine schicke Coverlock besitzt, dann wird sich das von alleine klären. Ich denke hier muss ich nichts weiter beschreiben?

Ich besitze eine Coverlock, aber ich nutze sie nicht für Falzgummis. Warum? Weil ich zu doof bin um geradeaus zu nähen. Ich nutze einen extra Fuß (an der Haushaltsnähmaschine), der mir die Arbeit abnimmt. Wenn ich manuell, bzw ohne diesen Fuß nähe, treffe ich sehr schön die Vorderseite, aber querbeet die Rückseite. Wenn ich ganz viel Zeit und Lust habe, steppe ich das Falzgummi mit diesem Fuß und langem Stich an (bestenfalls mit Kontrastgarn) und danach cover ich drüber und ziehe das erste Garn wieder raus. Klingt komisch, ist es auch. Auf die Art habe ich die sauberste und dehnbarste Naht.

Das fiese am „geradeaus-nähen“ ist die Dehnung. Ja, ich kann gerade nähen und unten das Gummi sogar treffen, wenn das Gummi nicht gedehnt wird. Bei Dehnung schaffe ich das aber nicht. Der Unterfaden ist iiiirgendwo auf der Unterseite. Das Falzgummi richtig dehnen, gerade an die Stoffkante halten, oben und unten artig aufeinander treffen lassen und dann noch eine akkurate Naht im immergleichen Abstand zur Kante… Seien wir realistisch… ich kann es nicht. Hier hilft nur der Zick-Zack-Stich oder eben eine Nähhilfe. Ich bin da auch penibel. Von außen gesehen, sieht es immer schick aus, aber die Innenseite ist total scheps. Ich brauche einen Fuß der das Band führt, gerade bei Dehnung.

Es soll talentierte Menschen geben, die das können 😉 Also probiert es selber erstmal aus!

Da nun die EINFÜHRUNG schon sehr lang geworden ist, wird das „all about…“ geteilt. In einem weiteren Beitrag mit extra Fotos, würde ich Euch dann genauer zeigen wie ihr so ein Band annäht und wo es wie stark gedehnt werden muss. 

5 replies on “All about… FALZGUMMI

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.